Artikel

Was eine gesundheitsbezogene Angabe auf dem Etikett bedeutet

Updated 4 min read 18 citations

Gang mit verpackten Lebensmitteln zwischen Regalen in einem SPAR-Supermarkt auf Mallorca
Steffen Mokosch · CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons

„Unterstützt die Immunfunktion." „Trägt zu einem gesunden Cholesterinspiegel bei." „Mit zugesetzten Pflanzensterinen zur Cholesterinsenkung." Diese Formulierungen stehen auf der Verpackung direkt neben dem Nutri-Score-Symbol, und Käuferinnen und Käufer behandeln sie routinemäßig als gleichwertige Information. Das sind sie nicht. Ein Front-of-Pack-Score ist ein zusammenfassendes Urteil über ein ganzes Produkt; eine gesundheitsbezogene Angabe ist eine eng gefasste, gesetzlich geregelte Aussage über die Wirkung eines Inhaltsstoffs auf eine Körperfunktion — und genau in der Lücke zwischen dem, was eine Angabe aussagen darf, und dem, was Käuferinnen und Käufer daraus schließen, liegt die meiste Verwirrung.

Die Angabe ist reguliert. Der Rest der Verpackung nicht.

In der EU regelt die Verordnung (EG) Nr. 1924/2006 gesundheitsbezogene Angaben und schränkt ein, was über den Zusammenhang eines Nährstoffs oder Lebensmittels mit der Gesundheit gedruckt werden darf; zudem muss die Angabe ein wissenschaftliches Bewertungsverfahren durchlaufen haben. Eine Übersichtsarbeit von 2018 zu unter dieser Verordnung eingereichten Angaben [5] zeigt, wie eng die zugelassene Formulierung tatsächlich gefasst ist: Angaben, die das Verfahren überstehen, sind an konkrete Endpunkte gebunden, nicht an allgemeine Wohlbefindens-Versprechen. Das Wort „unterstützt", das auf Verpackungen so häufig auftaucht, leistet dabei stille Arbeit — es ist vage genug, um der strengeren Nachweispflicht zu entgehen, die eine Angabe wie „senkt" auslösen würde.

Diese Präzision hat bei mindestens einer weit verbreiteten Angabe eine reale Evidenzbasis. Eine Umbrella-Review von systematischen Übersichtsarbeiten und Metaanalysen aus dem Jahr 2026 [1] bewertete die Pflanzensterin-Angabe, die auf manchen Streichfetten und Joghurtdrinks erscheint, und bündelte die vorliegende Studienevidenz zu Phytosterinen und kardiometabolischen Markern. Dass eine solche Angabe auf einer Umbrella-Review von Studien beruht, ist ungewöhnlich — die meisten Angaben auf Verpackungen haben bei Weitem keine so tiefe Evidenzbasis, was mit ein Grund ist, warum die Phytosterin-Angabe zu den besser abgesicherten am Markt zählt.

„Funktionelle Lebensmittel" ist eine Marketingkategorie, keine regulatorische

Ein großer Teil der Literatur zu gesundheitsbezogenen Angaben dreht sich tatsächlich um „funktionelle Lebensmittel" — Produkte, die mit einem gesundheitlichen Zusatznutzen über die Grundernährung hinaus beworben werden. Die Academy of Nutrition and Dietetics hat zu dieser Kategorie zweimal formale Positionspapiere veröffentlicht, 2009 [8] und erneut 2013 [6], und eine Übersichtsarbeit von 2025 greift das Thema erneut auf [14]. Der rote Faden: „Funktionelles Lebensmittel" beschreibt eine Marketingstrategie, keine Kategorie mit einheitlichen Evidenzstandards. Manche Produkte tragen Angaben, die durch solide Studiendaten gestützt sind; andere tragen dieselbe visuelle Sprache mit deutlich dünnerer Absicherung.

Eine systematische Übersichtsarbeit von 2022 zu den Kaufmotiven für solche Produkte [3] fand, dass Kaufentscheidungen hauptsächlich durch allgemeines Gesundheitsbewusstsein und Lebensstilfaktoren geprägt werden — nicht dadurch, dass Käuferinnen und Käufer die konkrete Evidenz hinter einer konkreten Angabe bewerten. Genau diese Lücke ist es, die eine Angabe ausnutzen kann, da sie nicht mitteilen muss, wie stark oder schwach ihre eigene Absicherung ist.

Nicht jeder Inhaltsstoff mit gutem Ruf hält der Prüfung gleich gut stand. Eine Übersichtsarbeit von 2011 zu einigen der gängigsten Inhaltsstoffe funktioneller Lebensmittel [7] fand uneinheitliche Ergebnisse bei diesen dreien — „durch eine randomisierte Studie gestützt" und „durch einen starken, konsistenten Effekt über mehrere Studien hinweg gestützt" sind unterschiedliche Aussagen, die Verpackung unterscheidet selten zwischen ihnen. Eine Übersichtsarbeit von 2020 zu Molkenprotein- und Kolostrum-Supplementierung bei Erwachsenen ab 35 Jahren [4] ist ein ähnlicher Fall: eine klar definierte Population und ein definierter Endpunkt, ehrlicherweise nur auf Käuferinnen und Käufer übertragbar, die dieser Population entsprechen.

Ein schneller Leitfaden zum Lesen einer gesundheitsbezogenen Angabe

FrageWas es Ihnen sagt
Nennt die Angabe einen konkreten Nährstoff und eine konkrete Funktion? („Pflanzensterine … Cholesterin")Konkrete Angaben wurden mit höherer Wahrscheinlichkeit von der Regulierungsbehörde geprüft; vage Angaben („unterstützt das Wohlbefinden") machen meist gar kein überprüfbares Versprechen
Zeigt sich die behauptete Wirkung in einer Umbrella-Review oder Metaanalyse, oder nur in einer einzelnen kleinen Studie?Umbrella-Reviews (wie die Phytosterin-Übersichtsarbeit von 2026) spiegeln eine stärkere, mehrfach replizierte Evidenzbasis wider als eine einzelne Studie
Wurde die zugrunde liegende Studie an einer Population wie Ihnen selbst durchgeführt?Angaben, die in einer Alters- oder Risikogruppe belegt wurden, gelten nicht automatisch für alle, die das Produkt essen
Passt der Front-of-Pack-Score (sofern vorhanden, der Nutri-Score) grob zum Tenor der Angabe?Ein schlechter Gesamtscore neben einer konkreten gesundheitsbezogenen Angabe ist ein Hinweis darauf, dass die Angabe nur einen Inhaltsstoff in einem ansonsten unauffälligen Produkt betrifft — wie dieser Score berechnet wird, erklären wir in unserem Nutri-Score-Beitrag

Häufige Fragen

Wird eine Angabe wie „unterstützt die Immungesundheit" genauso reguliert wie eine Cholesterin-Angabe?
Die regulatorische Prüfung im EU-System fällt in der Regel bei Angaben mit einem konkreten, messbaren Endpunkt am strengsten aus. Vagere Wohlbefindens-Formulierungen müssen eine niedrigere Hürde nehmen, was mit erklärt, warum sie auf Verpackungen häufiger vorkommen — siehe die oben genannte Acta-Diabetologica-Übersichtsarbeit von 2018 dazu, wie eng zugelassene Angaben definiert sind.
Müssen „funktionelle Lebensmittel" ihre Angaben belegen, bevor sie verkauft werden dürfen?
Die Angabe selbst durchläuft, sofern reguliert, ein Bewertungsverfahren. Aber „funktionelles Lebensmittel" als Marketingkategorie ist weiter gefasst als die konkret regulierten Angaben auf einem einzelnen Produkt, wie die oben zitierten Positionen der Academy of Nutrition and Dietetics zeigen.
Gehört die Pflanzensterin-Cholesterin-Angabe zu den solideren?
Unter den Angaben auf Verpackungen hat sie eine ungewöhnlich tiefe Evidenzbasis — eine Umbrella-Review mehrerer systematischer Übersichtsarbeiten und Metaanalysen aus dem Jahr 2026. Das ist eine stärkere Evidenzlage, als die meisten Einzelinhaltsstoff-Angaben vorweisen können.
Bedeutet eine gesundheitsbezogene Angabe, dass das ganze Produkt gesund ist?
Nein. Eine Angabe beschreibt den Zusammenhang eines Inhaltsstoffs mit einer Funktion; sie sagt nichts über den Zucker-, Salz- oder gesättigten Fettgehalt des Produkts aus — genau das soll stattdessen ein Front-of-Pack-Score wie der Nutri-Score zusammenfassen.
Sollte man Angaben zu grünem Tee, Isoflavonen oder Aloe vera vertrauen?
Die Übersichtsarbeit randomisierter Studien von 2011 zu diesen dreien fand uneinheitliche, inhaltsstoffspezifische Ergebnisse — kein pauschales „Ja" oder „Nein", das für alle drei gleichermaßen gilt. Dieser Artikel dient nur der Information und ersetzt keine medizinische Beratung; sprechen Sie bei Ihrer individuellen Situation mit einer Ärztin, einem Arzt oder einer Ernährungsfachkraft.
Produzentenstände unter dem eisernen Dach des Borough Market in der Bedale Street, London
Txllxt TxllxT · CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons
Die Beweise hinter dieser Seite Ein gestapeltes Balkendiagramm, das die Zusammensetzung der 18 auf dieser Seite zitierten Publikationen nach Studientyp zeigt. 8541meta-analysis (8)randomised trial (5)review (4)other (1)
18 Publikationen, 2002–2026. Das ist eine Mischung aus sowohl Studien als auch Synthesen, von der aus eine Behauptung über die Ursache sinnvoll ist. Quelle: die eigene Zitationsliste dieser Seite, unten.

References

Every citation below links to the original peer-reviewed record on PubMed or via DOI. Nothing here is a substitute for medical advice.

  1. Efficacy of phytosterols for reduction of cardiometabolic risk factors: An umbrella review of systematic reviews and meta-analyses and updated dose-response meta-analyses of randomized trials Zurbau A, Haintz L, Chen V, et al. · Clinical nutrition (Edinburgh, Scotland) · 2026 · Meta-analysis DOIPubMed 42275989
  2. The Potential Effectiveness of Nutrient Declarations and Nutrition and Health Claims for Improving Population Diets Kelly B, Ng SH, Carrad A, et al. · Annual review of nutrition · 2024 · Systematic review DOIPubMed 38857539
  3. Lifestyle, psychological and socio-demographic drivers in functional food choice: a systematic literature review based on bibliometric and network analysis Zanchini R, Di Vita G, Brun F · International journal of food sciences and nutrition · 2022 · Systematic review DOIPubMed 35264074
  4. Health Benefits of Whey or Colostrum Supplementation in Adults ≥35 Years; a Systematic Review Blair M, Kellow NJ, Dordevic AL, et al. · Nutrients · 2020 · Systematic review DOIPubMed 31979025Full text
  5. Claimed effects, outcome variables and methods of measurement for health claims proposed under European Community Regulation 1924/2006 in the area of blood glucose and insulin concentrations Martini D, Biasini B, Zavaroni I, et al. · Acta diabetologica · 2018 · Clinical guideline DOIPubMed 29383587
  6. Position of the academy of nutrition and dietetics: functional foods Crowe KM, Francis C · Journal of the Academy of Nutrition and Dietetics · 2013 · Clinical guideline DOIPubMed 23885705
  7. Review of the efficacy of green tea, isoflavones and aloe vera supplements based on randomised controlled trials Williamson G, Coppens P, Serra-Majem L, et al. · Food & function · 2011 · Systematic review DOIPubMed 21927741
  8. Position of the American Dietetic Association: functional foods Hasler CM, Brown AC · Journal of the American Dietetic Association · 2009 · Clinical guideline DOIPubMed 19338113
  9. Cow's milk compared to oat drink and its implications for lipid profile- a pilot randomized controlled trial Rosendahl-Riise H, Gravrok EO, Rung SL, et al. · Nutrition journal · 2026 · Randomised controlled trial DOIPubMed 41851782Full text
  10. A randomised controlled trial comparing a dietary antiplatelet, the water-soluble tomato extract Fruitflow, with 75 mg aspirin in healthy subjects O'Kennedy N, Crosbie L, Song HJ, et al. · European journal of clinical nutrition · 2017 · Randomised controlled trial DOIPubMed 27876806Full text
  11. Prebiotic Potential of a Maize-Based Soluble Fibre and Impact of Dose on the Human Gut Microbiota Costabile A, Deaville ER, Morales AM, et al. · PloS one · 2016 · Randomised controlled trial DOIPubMed 26731113Full text
  12. Not all nutrition claims are perceived equal: anchoring effects and moderating mechanisms in food advertising Paek HJ, Yoon HJ, Hove T · Health communication · 2011 · Randomised controlled trial DOIPubMed 21308579
  13. Soluble fiber intake at a dose approved by the US Food and Drug Administration for a claim of health benefits: serum lipid risk factors for cardiovascular disease assessed in a randomized controlled crossover trial Jenkins DJ, Kendall CW, Vuksan V, et al. · The American journal of clinical nutrition · 2002 · Randomised controlled trial DOIPubMed 11976156
  14. Functional Foods in Modern Nutrition Science: Mechanisms, Evidence, and Public Health Implications Fekete M, Lehoczki A, Kryczyk-Poprawa A, et al. · Nutrients · 2025 · Review DOIPubMed 40647258Full text
  15. Towards unified and impactful policies to reduce ultra-processed food consumption and promote healthier eating Popkin BM, Barquera S, Corvalan C, et al. · The lancet. Diabetes & endocrinology · 2021 · Review DOIPubMed 33865500Full text
  16. Impact of Salt Intake on the Pathogenesis and Treatment of Hypertension Rust P, Ekmekcioglu C · Advances in experimental medicine and biology · 2017 · Review DOIPubMed 27757935
  17. Appetite control: methodological aspects of the evaluation of foods Blundell J, de Graaf C, Hulshof T, et al. · Obesity reviews : an official journal of the International Association for the Study of Obesity · 2010 · Review DOIPubMed 20122136Full text
  18. Liver Cleansing Imposters: An Analysis of Popular Online Liver Supplements Telbany A, Patel A, Viswanath P, et al. · The American journal of gastroenterology · 2026 · Journal article DOIPubMed 40162684

This page was translated automatically from English. The citations and numbers are unchanged. Read the English original if anything reads oddly. Read the English original